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Während meiner Tätigkeit als Hundetrainer, habe ich immer wieder Kunden mit Hunden aus dem Tierschutz, aus Tötungsstationen oder dem Ausland. Immer wieder stoße ich dabei auf Halter, die mir erzählen, dass sie in den Übernahmeverträgen verpflichtet werden die Hunde innerhalb eines gewissen Zeitraumes kastrieren lassen zu müssen. Die meisten Halter wissen nicht, dass dieser Passus in dem Vertrag nicht rechtsgültig ist, da es im deutschen Tierschutzgesetzt ganz klar geregelt ist, wann ein Tier, in diesem Fall der Hund, kastriert werden darf. Und es ist ganz klar, dass dieses nur mit einer medizinischen Indikation geschehen darf. (§6 TschG)
Einige Tierschutzorganisationen spielen bewusst mit der Angst der Halter, ihren Hund wieder abgeben zu müssen.

Die Organisationen argumentieren damit, dass die Hunde sich nicht unkontrolliert vermehren sollen oder dass sie nicht die sog. Mittelmeerkrankheiten (Anaplasmose, Babesiose, Borreliose, Ehrlichiose, Dirofilariose, Hepatozoonose und Leishmaniose) durch sexuellen Kontakt mit anderen Hunden in Deutschland verbreiten sollen.
Was die meisten Halter aber nicht wissen oder ihnen nicht erzählt wird ist, dass sich ihr Hund durch eine zu frühe Kastration oder eine Kastration zu einem falschen Zeitpunkt – richtig gelesen, es gibt einen guten und einen schlechten Zeitpunkt für eine Kastration- negativ verändern kann.

Wie oft habe ich Hunde im Training, die in ihrer Entwicklung im Junghund-Alter stehen geblieben sind da sie im Alter von 6 Monaten schon kastriert wurden. Das Verspielte mag ja süß sein, für den Hund, der mittlerweile 2 Jahre alt ist, ist es das nicht. Er benimmt sich infantil, da ihm die hormonelle Entwicklung zum Erwachsen-werden fehlt. Diese Entwicklungsstufen sind für jeden Hund wichtig, um sich seinem Alter entsprechend zu entwickeln. Die Hormone werden dringendst benötigt damit sein Gehirn, die Gefühle und sein Verhalten seinen Lebensumständen und Umfeld entsprechend mitwachsen können. Um es besser zu verdeutlichen, stellen Sie sich einfach einen 30-jährigen Menschen vor, der mit gleichaltrigen nur rumalbern und im Sandkasten spielen will.

Irgendwann kommt im Leben dieses Hundes der Punkt, wo es (durch die zu frühe Kastration) zu einer Wende in seinem Verhalten kommen kann. Er fängt an frustriert zu werden, weil kein anderer Hund mit ihm spielen möchte, sei es dass er zu aufgedreht im Kontakt ist oder sein Verhalten nicht angepasst ist. Das Gegenüber reagiert eventuell oft mit Abweisungen, die bis hin zu Aggressionen gehen können. Durch die Abweisungen kann es auch zu einer Verunsicherung des Hundes kommen.
Ganz zu schweigen von den möglicherweise auftretenden Folgeerkrankungen/Folgeerscheinungen, wie z.B. Blasenschwäche, bestimmte Krebsarten, erhöhte Stressanfälligkeit etc.
Ich könnte noch seitenweise über Fälle von Haltern, die vertraglich gezwungen wurden ihren Hund kastrieren zu lassen und die daraus resultierenden Folgen davon aufzählen/nennen. Das würde hier jedoch den Rahmen sprengen.
Bitte machen Sie sich bewusst, was auf Sie zukommen kann. Sie allein haben die Verantwortung für ihren Hund und dass es ihm gut geht.
Ich möchte am Ende betonen, dass ich selbst weder gegen noch für eine Kastration in, da diese Entscheidung von jedem einzelnen Hund abhängt.
Mein Bestreben ist es aufzuklären und zum Nachdenken anzuregen und vor allem aufzuzeigen, welche Folgen eine Kastration, die keine medizinische Erforderlichkeit hat, mit sich ziehen kann.
Lassen Sie sich nicht von solch unseriösen Vertragsklauseln unter Druck setzen.
Ich habe noch von keiner Organisation gehört, die Hunde ihrem Halter wieder wegnehmen, die ihre Hunde nicht kastriert haben lassen, als Ausnahme möchte ich hier die Halter nennen, die ihren Auslandshund zum Züchten genommen haben.

Rechtliche Informationen zum Thema
https://www.der-tieranwalt.de/…/kastration-hund-katze-kastr…

Informationen zu den sog. Mittelmeerkrankheiten
http://www.erste-hilfe-beim-hund.de/…/index.php/mittelmeerk…