Was bisher geschah – von Unsicherheit, Dauerstress und körperlicher Belastung
Moritz’ Geschichte beginnt holprig. Schon als junger Welpe erlebt er Trainingssituationen, die mehr Druck als Orientierung bieten: wechselnde Gruppen, Wasserflaschen, Rüttelreize und laute Korrekturen. Statt Sicherheit aufzubauen, lernt er früh, dass die Welt unberechenbar ist. Fehlberatungen, ein Hundeinternat, ein vorschneller Kastrationschip und widersprüchliche Empfehlungen verstärken seine Unsicherheit zusätzlich.
Seine Halterin gibt nie auf – trotz Verletzungen, emotionaler Erschöpfung und einem Hund, der innerlich kaum zur Ruhe findet. Als Moritz zu uns kommt, befindet er sich in dauerhafter Alarmbereitschaft. Sein Körper steht unter chronischer Grundspannung, sein vegetatives Nervensystem läuft im Dauermodus, sein Verhalten ist geprägt von Überreaktion und Kontrollbedürfnis.
Parallel zeigen Verdauung und Hautbild, wie massiv sein Organismus mitreagiert.
Gemeinsam mit Andrea Frost werden Ernährung und Darmflora abgeklärt, um zusätzliche Belastungsfaktoren zu reduzieren. Eine angepasste Fütterung sowie die begleitende Aromatherapie – insbesondere mit Atlaszeder – schaffen erste Momente innerer Stabilität. Kleine Fenster von Entlastung, in denen sein System nicht permanent kämpfen muss.
Diese Grundlage ist entscheidend, bevor weitere Entwicklung überhaupt möglich wird.
👉 Die ausführliche Vorgeschichte findest du in den Blogartikeln Moritz 1–3.
Ein besonderer Moment – Moritz wächst über sich hinaus
Als Moritz körperlich und emotional stabiler wurde, zeigte sich, dass er bereit war, einen großen Trainingsschritt zuzulassen. Er nahm erstmals selbst am Hibbelhunde-Training teil.
Nicht das Setting stand im Vordergrund.
Sondern Moritz.
Neue Menschen. Neue Geräusche. Bewegung. Dunkelheit.
Früher wäre das zu viel gewesen.
Doch dieses Mal blieb er ruhig. Er blieb bei Claudia. Er nahm wahr, ohne zu kippen. Er arbeitete, statt zu reagieren. Er orientierte sich klar an seinem Menschen.
Es war kein spektakulärer Erfolg.
Es war ein leiser, aber kraftvoller Beweis für echte Entwicklung.
Der körperliche Durchbruch – Physiotherapie als Entwicklungsschritt
Nachdem Moritz im Alltag wichtige und stabile Schritte in Richtung Selbstregulation machen konnte, wurde klar, dass auch sein dauerhaft erhöhter Muskeltonus gezielt angegangen werden musste.
Der Termin bei Canin-E-Emotion markierte einen zentralen Entwicklungspunkt.
Thomas begegnete Moritz mit ruhiger, klarer Präsenz. Durch sanfte Mobilisation und präzise Lockerungstechniken begann sich die chronische Spannung zu lösen. Die Veränderung zeigte sich unmittelbar: Moritz wurde im Ausdruck weicher, ließ Berührungen zu, atmete tiefer und wirkte insgesamt zugänglicher.
Seine Reaktionsbereitschaft sank spürbar. Situationen, die ihn früher sofort kippen ließen, konnte er zunehmend besser regulieren.
Hier wird deutlich: Körperliche Anspannung und Verhalten lassen sich nicht voneinander trennen. Wer nur Verhalten betrachtet, übersieht oft die körperliche Komponente.
Ein weiterer medizinischer Faktor – Hüftdysplasie und das Erlebnis Narkose
Im Wurf von Moritz wird bei mehreren Geschwistern eine Hüftdysplasie festgestellt. Auch Moritz wird in Narkose gelegt und per MRT untersucht. Die Diagnose bestätigt ebenfalls eine HD – glücklicherweise nicht so stark ausgeprägt wie bei seinen Geschwistern.
Doch der Eingriff selbst wird zu einer neuen Belastung.
Aufgrund seines dauerhaft erhöhten Cortisolspiegels wirkt die Narkose nicht wie geplant. Die Aufwachphase ist extrem kurz. Moritz wird panisch, orientierungslos, findet sich nicht zurecht.
Für einen Hund mit bestehenden Kontrollverlustängsten ist das kein neutraler medizinischer Vorgang. Es ist ein massiver Kontrollverlust im eigenen Körper. Nebelhaftes Wahrnehmen. Ausgeliefert sein. Sich nicht wehren können.
Seit diesem Tag schläft Moritz nachts kaum noch durch. Seine Halterin muss bei ihm bleiben. Sein System findet schwer zurück in die Entspannung.
Und jeder weiß, was dauerhafte Verspannungen an Schmerzen hervorrufen können. Genau diese Kombination aus Schmerzgeschehen, Stresshormonen und emotionaler Überforderung hält ihn zusätzlich in Anspannung.
Wenn Zusammenarbeit greift – vernetzt statt isoliert
Während einer physiotherapeutischen Behandlung spricht die Halterin mit Thomas über ein empfohlenes Präparat zur Unterstützung der Hüfte. Im Gespräch geht es um muskuläre Entlastung, Bewegungsapparat und Stabilisierung.
Nebenbei erwähnt sie, dass Moritz seit der Narkose kaum noch durchschläft. Dass er nachts unruhig ist. Dass er stärker kontrolliert und schwerer loslassen kann.
Aus diesem Gespräch entsteht der Impuls, die Situation erneut ganzheitlich zu betrachten – und die Halterin nimmt Kontakt zu Andrea auf.
Sie schildert die gesamte Lage: HD-Diagnose, schwierige Narkose, kurze Aufwachphase, Panik, gestörte Nachtruhe. Andrea erklärt die Zusammenhänge zwischen Stresshormonen, Schmerzverarbeitung, Nervensystem und Schlafregulation.
Ein Termin wird vereinbart. Eine gezielte Unterstützung individuell für Moritz zusammengestellt.
Seitdem zeigen sich Veränderungen. Die Nächte werden ruhiger. Moritz findet leichter zurück in die Regulation. Sein System beginnt, sich neu zu sortieren.
Genau hier zeigt sich, warum isolierte Maßnahmen oft nicht ausreichen. Verhalten, Schmerz, Stresshormone und Schlaf greifen ineinander – und genauso muss auch die Begleitung ineinandergreifen.
Claudias tägliche Präsenz – die tragende Konstante
So wichtig das Netzwerk ist – die entscheidende Konstante bleibt Claudia.
Sie führt nicht situativ. Sie führt strukturell.
Sie denkt vorausschauend, reduziert Reize, bevor sie eskalieren, und übernimmt Verantwortung, damit Moritz sie abgeben kann.
Ihr Alltag ist klar organisiert. Sie beginnt ruhig, damit Moritz nicht in Erwartungshaltung kippt. Sie bewegt sich bewusst. Sie setzt Grenzen eindeutig. Sie bleibt stabil, auch wenn Situationen emotional werden.
Als zwischenzeitlich Moritz bei der Hausarbeit an der Leine mitläuft, ist das kein klassisches Training. Sie stabilisierte ihre eigene Körperspannung, achtete auf Atmung und Tempo – und Moritz reagierte darauf. Orientierung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Klarheit.
Claudia bleibt handlungsfähig, auch wenn es anstrengend ist. Sie erkennt frühzeitig Anzeichen von Überforderung. Sie greift ein, bevor Situationen kippen. Sie führt ruhig – und genau das schafft Vertrauen.
Diese alltägliche, konsequente Arbeit ist der Grund, warum Moritz heute größere Schritte zulassen kann.
Ausblick
Moritz macht beeindruckende Fortschritte. Kleinschrittig, aber stabil. Seine Entwicklung ist kein Sprint, sondern ein strukturierter Prozess.
Bald gehen wir in die nächste Steigerung. Und ich bin überzeugt: Auch diesen Schritt wird er gehen.
Sein Weg ist noch nicht zu Ende.
Aber er geht ihn nicht mehr allein.
